STCKE
UMARMUNGEN
oder LOB DER TAPFERKEIT
Ein Theaterabend nach Erzhlungen von Eduardo Galeano, Uruguay
Das Wirkliche nicht nur das wunderbar Wirkliche Lateinamerikas ist bei Galeano phantastischer als die Phantasie. (Erich Hackl)
Inhalt:
Galeano, bekannt durch seinen Essay Die offenen Adern Lateinamerikas schreibt
Geschichten, die blitzartig einen Gegenstand erhellen, ohne ihm seinen Zauber zu
nehmen:
- ein Mann wird von einem Karpfen verfolgt
- ein 100-jhriger Grovater entwischt den Enkeln, um auf Brautschau zu gehen
- arrogante Dichter kosten den Geschmack der Worte mit dem Finger....
Trotz Galeanos klarem Blick auf eine oft brutale Realitt sind seine Geschichten heiter ein Aufruf, die Welt neu zu gestalten, Zrtlichkeit, Mut und Phantasie nicht zu verlieren.
In ihrem kleinen feinen Programm feiert die HR-und-SCHAUbhne diesen Autor, in dem um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: .. nach so viel Leid und so viel Tod noch die Fhigkeit lebt, ber ein Wunder staunen und ber eine Frechheit mich entrsten zu knnen, und dass ich immer noch an die Wahrheit jenes Dichters glaube, der mir riet, nichts ernst zu nehmen, was mich nicht gleichzeitig zum Lachen brchte. (E. Galeano)
Presse:
Mit Klngen, Worten und wenigen Requisiten erschaffen die Schauspielerin Suzan
Smadi und der Musiker Carsten Netz einen poetisch-schrgen Raum, ein Theater, in
dem die Texte des Autors in einer wunderbaren Dichte lebendig werden
(Stuttgarter Zeitung, 12.01.2026)
Bis auf ein paar groe Ausnahmen wie Gabriel Garcia Marquez oder Pablo
Neruda ist sdamerikanische Literatur hierzulande eher unbekanntes Terrain.
Dabei gibt es dort eine durchaus verblffende Kultur der Kurzprosa zu entdecken.
Zu den Erzhlern solcher aussagekrftiger Geschichten gehrt der Uruguayer
Eduardo Galeano. Aus seinen Vorlagen machte Suzan Smadi in der Manufaktur einen
Theaterabend, begleitet von Carsten Netz, der mit Klarinette, Saxofon und allem
mglichen tnenden Kleinkruscht die Szenen musikalisch kommentierte.
Die ausgewhlten Geschichten wirkten zwar vordergrndig rein absurd-komisch
entsprechend die Bekleidung der Schauspielerin: etwas zu weite Beinkleider und
Hosentrger, die mglicherweise ein Clownskostm andeuten sollten. Und hnlich
wie hinter guter Clownerie ghnte hinter diesen kleinen Texten und ihrer
Scheinkomik ein Abgrund der Verlorenheit, der Schicksalsschlge und der
Grausamkeit aber Galeanos Geschichten zeichnen sich gerade dadurch aus, dass
noch in Grenzsituationen der Demtigung und des zerstrten Lebens die Wrde des
Menschen und die Hoffnung aufleuchten.
So hie eine der berschriften, die jeweils mit Kreide an die Sperrholzplatte
gekrakelt wurden, die praktisch den Bhnenhintergrund bildete, Die Illusion des
Lebens soll leuchten und unter diesem Titel fand sich auch ein Spruch, den
man ber den ganzen Abend stellen knnte: Das Glck hilft nicht, wenn man ihm
nicht beim Helfen hilft.
Galeanos Mensch ist eine seltsame Kreuzung aus Mll und Licht. Seine Version der
Genesis lautet, dass der Mensch sich selber geschaffen habe aus dem Abfall, der
von der Schpfung briggeblieben ist. Und dann kommt die Geschichte von den
kolumbianischen Einwegmenschen, den Bettlern, die auf der Strae gettet
werden, um ihre Organe auszuschlachten was man auch als brutalen Kommentar zum
weiten Feld der Bioethik Diskussion sehen knnte.
Zu dieser Zwielicht-Atmosphre aus Schock, aus Trauer und aus dem Licht, das der
Mensch aus dem Mll mitgebracht hat, passten auch die wenigen Requisite.
Besonders seltsam: die Percke aus Zeitungsschnipseln und die Brille mit den
zugeklebten Glsern beide in Verbindung machten Suzan Smadis eher heiteres,
offenes Gesicht grau und dumpf, wenn es ntig wurde.
Und dazu die Leistung von Carsten Netz. Dieser war zwar permanent auf der Bhne,
redete aber fast berhaupt nicht hchstens durch seine Instrumente. Er hatte
einen seltsam vieldeutigen Part, der sowohl die Rolle des Zuhrers, der seine
Emotionen ungeknstelt und direkt in Tne ausdrckte, als auch die Rolle eines
Kommentators oder Strenfrieds enthielt. Nur an zwei bezeichnenden Stellen
nderte sich das. Einmal ging es darum, wie die uruguayischen Diktatoren
wollten, dass jeder Einzelne ein Einzelner bleibt, Menschen isoliert
einsperrten und auch das Reden verboten und wie die Gefangenen trotz allem mit
Fingersprachen und Klopfzeichen das berlebenswichtige Gesprch suchen hier
blieb Carsten Netz vllig stumm, und das verlieh der Szene ihr besonderes
Gewicht.
Im Anschluss daran wurde erzhlt, wie ein Indianerstamm seinen getteten Feinden
die Lippen zunht, um Sicherzugehen, dass diese auch wirklich stumm und damit
tot bleiben. Carsten Netz verwandelte sich dazu in eine menschliche Beatbox, um
die Erzhlerin zum Weiterreden zu bringen, aber die blieb stumm und grinste mit
vernhten Lippen, bis es wirklich unheimlich wurde. Die Kunst an diesem Abend
war aber die, Galeano szenisch so zu vermitteln, dass hinterher die Zuschauer
sagten: Es war aber schn!
(Waiblinger Kreiszeitung, 22.02.2026)
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Technik:
Spiel: Suzan Smadi
Musik: Carsten Netz
Regie: Sigrun Kilger
Fr Erwachsene und Jugendliche ab 17 Jahre.
Dauer: 70 Minuten. Keine Pause. Verdunkelung. Kann auch im Freien gespielt
werden.
Spielflche: 4m x 4m.
Podesthhe: 40 cm. (Kann auch ohne Podeste gespielt werden.)
Lichte Hhe: 2,70 m
Scheinwerfer knnen mitgebracht werden.