„Zwei gelockte Damen in romantischen Roben vertreiben sich im biedermeierlich geschmückten Zimmer die Teestunde mit Musik, Scherenschnitten und einer fantastischen Geschichte: „Klein
Zaches genannt Zinnober“.
Da blieben für alle Freunde unüblicher Theateraufführungen eigent-
lich keine Wünsche offen. Ganz eng am Text, in der alten aufwändigen Sprache Hoffmanns erzählte und las Suzan Smadi diffizil und einfühl-
sam die fantastische Geschichte vom kleinen missgestalteten Bauernkind Zaches, der durch den mitleidigen Zauber einer Fee völlig unverdient in die höchsten Kreise aufsteigt, sogar Minister wird, dem braven Studenten Balthasar die Braut Candida wegnimmt und dabei doch immer das unmögliche kleine Monster mit schlechtestem Charakter bleibt.
Melodisch interpretierte Evelyn Schauer mit intuitivem Flötenspiel die Geschichte, ließ die Akteure lachen und weinen, den hässlichen
Gnom nach Herzenslust quäken und auf dem Krummhorn erklangen bombastisch festliche Töne.
Wunderschön stimmig auch die immer wieder einprojizierten nostalgischen Scherenschnitte der Waiblinger Künstlerin Louise Duttenhofer.
Natürlich gab es bei dieser skurrilen, witzigen und ironischen Interpretation der romantischen Erzählung ein Happyend: Balthasar
und Candida werden ein Paar und der „hochwohllöbliche“ Minister Zinnober ertrinkt auf der Flucht im Nachttopf: Hochmut kommt vor
dem Fall.
Eine Aufführung voll Sprachgenuss und musikalischem Einfalls-
reichtum. Ein vergnüglich anspruchsvolles Sommertheater.“
Südkurier
„Ist es Spaß? Ist es Ernst? Auf jeden Fall kitschig: umschwebt von
jeder Menge Rosen, Rüschen und Girlanden präsentierte die HÖR-
und SCHAUbühne im Rahmen des Literatursommers die Geschichte „Klein Zaches genannt Zinnober“ von E.T.A.Hoffmann.
Schon Hoffmann nimmt die Romantik nicht so ernst und unterfüttert seine Nachtstücke und Märchen mit Ironie, Skurrilität und psychologischer Hellsicht. Die Frauen aus Stuttgart machen daraus Ironie im Quadrat - mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit.
Biedermeierlich gewandet und krass puppig geschminkt versenken
sich Suzan Smadi und Evelyn Schauer Wimpern klimpernd und mit verschleiertem Blick in Text und Musik. Während Smadi sich begeisternswert intensiv mit Stimme und Sprachgestus in die Charaktere der Geschichte verwandelt, bläst Schauer dazu wacker
auf ihren Flöten, dass es öfters auch mal quietscht. Mit weiteren Klangeffekten trägt sie zur komisch-zauberhaften Atmosphäre der Erzählung bei....
- Und Smadis Vortrag ist ein Genuss.
Reutlinger Nachrichten
„Die Produktion der HÖR-und SCHAUbühne überzeugte durch ge-
konnte Rezitation und musikalische Umrahmung, sowie durch ihre Rahmenhandlung, die das in der Romantik durchaus vorherrschende Frauenbild vorführte, bei dem Damen von Rang sich die Zeit mit Er-
zählen und Scherenschnitten zu vertreiben hatten.“
Stuttgarter Rundschau