STCKE 

NICHTS SCHNERES
Tragik-komisches Ein-Frau-Stck von Oliver Bukowski
 

Inhalt:
Oliver Bukowski einer der renommiertesten deutschen Theaterautoren hat hier eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art geschrieben. Denn Mechthild - die Protagonistin der Geschichte ach ja, sie liebt!
Und wie immer wenn Mechthild etwas in ihrem Leben zu bewltigen hat, geht sie ins Cafe, bestellt Sachertorte und ein Kffchen und hofft auf Zuhrer. Denn Mechthild redet und erzhlt ber alles. Direkt und vorbehaltlos bringt sie Ihre Sichtweise auf den Punkt. Gem dem Motto: So bin ick nu mal.
Leicht, verwundert, ja fast heiter spricht sie ber die Katastrophen ihrer Biographie. Und nun, nach Knast und Klapse samt Therapastor, hat sie per Annongse einen Studenten kennengelernt. Einen wesentlich jngeren, der ihr sogar ein Gedicht geschrieben hat! Aber so richtig geklappt hat es trotz Gedicht und bunter Unterwsche dann ja wohl doch nicht?
Nur - wer will das hinterher noch entscheiden, bei einer Geschichte, bei der Fiktion und Realitt, wilde Wunschtrume und grauer Alltag ein so irrsinniges Konglomerat ergeben? Einer Geschichte, bei der die Trnen in die Kaffeetasse trpfeln, die Zukunft aus einer Pralinentte gelesen wird und eine harmlose Taucheruhr Zeuge einer mrderischen Erinnerung wird.

Presse:

Bis die Ohren quietschen und die Nase fiept
Eine hinreichend bekannte Szene: zuerst jener suchend umherschweifende Blick nach dem freien Tisch im Cafe und dann jenes verstohlen-neugierige Mustern von Aussehen und Benehmen der anderen. Auch am Donnerstagabend im Lokal Kolorit suchte eine Frau den einzig verbliebenen freien Tisch auf.
Doch schon bevor sie dort Platz nahm, sich mit Kaffee und Kuchen bedienen lie, fiel sie auf: gekleidet im schmalen Blauen, behngt mit einer langen weien Perlenkette, im Haar ein rosa Band und am behandschuhten Finger ein dickes Ding von Ring. Doch gro Zeit, sich Gedanken zu machen, was das denn wohl fr eine sei, bekam man nicht. Die besetzten Tische und Sthle grend, stellte sie sich gleich mal vor: Guten Abend, Huschke mein Name, Mechthild Magda Huschke, geborene Walther. Und eine Stunde spter, als das Licht erlosch, wusste jeder alles ber sie oder etwa gar nichts, weil alles das Ganze kein Wort wahr ist? Sie jedenfalls redete und redete. Wie sie denkt, was sie getan und erlebt hatte wo ich doch sonst kaum die Zhne auseinander kriege und ich ganz rtlich werde, wenn ich mich erinnern tue. Und tatschlich: Einen Moment lang glaubte man den Farbwechsel in Mechthilds Gesicht gesehen zu haben. Das allerdings spricht fr Suzan Smadi, die Schauspielerin des Solostcks Nichts Schneres von Oliver Bukowski.
Sie stellte die Kolorit-Besucherin derart bravours dar, dass sie selbst glatt vergessen werden konnte. Ihre aussdrucksstarken Augen, die lebhafte Mimik und elegant unaufdringliche Gestik faszinierten. Dazu die hinreiende Spontanitt ihres Monologisierens. Suzan Smadi war Mechthild. Und beide bescherten einen reichlich vergnglichen Abend. Einen Abend voller Wortwitz: Ohren, die quietschen, Nasen die fiepen, Wasserglser, die in die Privatatmosphre anderer hineinoperieren, eine Mnnerhand am Kopf schn wie eine Obstschale, in Annongsen wedelt man nicht mit die Schlpfer, oder finster wie in einem Brenarsch... Einen Abend aber auch mit temporeich aneinander gereihten Episoden, Eskapaden und Erkenntnissen. Stets gewappnet mit Erfahrung und auf der Hut, diesmal nur ja alles richtig zu machen, heimste sie Lacher auf Lacher ein. Erst als das Wort Hcksler fiel, jene Maschine, die ihren Dieter zu Mantsch verarbeitet hat und sie selbst in Knast und Klapsmhle brachte, breitete sich eine eigentmliche Stille im Raum aus. Irgendwann, nich wahr, will der Mensch ja auch Ruhe haben von seinem Dieter...
Und nun, nach Klinik samt Therapastor, hat sie per Anzeige einen Studenten kennen gelernt. Es klappt bestens, nur ganz anders als bisher. Aus Nhe und Distanz landete der Kuss auf dem Brillenglas so gro wie das Schaufenster von einem Schmuckladen in einer Mondnacht. Und wenn er spter lchelte, dass die Brille glhte, dann schien nicht nur die Trffelpraline das ganze blanke Glck auszumachen.
Glck hatten auf jeden Fall die Besucher im Lokal Kolorit. Mit der Wahl, Interpretation und Inszenierung des Stckes haben die Kaiserslauterer Regisseurin Brigitte Berlin und die Stuttgarter Schauspielerin Suzan Smadi eine Paraderolle entdeckt und erarbeitet, die nicht zuletzt ob der authentischen Kulisse ebenso erheiternd wie erschreckend lebensecht im Gedchtnis bleiben wird.
Das Publikum sparte nicht mit dankendem, lobendem und eine Wiederholung fordernden Applaus.
( 7.Juni 2003, Die Rheinpfalz)

Ser Duft des Lebens
An einem kleinen Tischchen sitzt Mechthild Huschke vor einer Tasse Kaffee und einem Stckchen Sachertorte und ist allem Anschein nach bester Dinge. Fr eine Frau, gerade im Begriff, die besten Jahre hinter sich gebracht zu haben, ist das durchaus keine Selbstverstndlichkeit, umso mehr, wenn sie als Akteurin eines Stcks auftritt, das den Blick auf die unerfreulicheren Seiten des Daseins lenkt: Einsamkeit, Suff, Gewalt. Doch Mechthild Huschke ist obenauf, erstens weil sie tun darf, was sie liebt, nmlich erzhlen, zweitens weil ein ser Duft nach Leben ihr noch in der Nase liegt, ein Hauch von Zimt, in ihren Kleidern, an ihrem Leib.
Ein Student hat ihn hinterlassen, einer, der sich nach erfahrenen Frauen sehnt, ihnen Gedichte auf den Leib schreibt und mehr, einer, der fr die Aktivitten sein Brillchen ablegt, damit es keinen Schaden nimmt. Vielleicht nur eine Illusion, der junge Mann, aber die kann sie brauchen, wo das Leben an Dieters Seite sie von Illusionen grndlich befreit hat. Das komplette Greuelprogramm hat die Ehe mit diesem Ekel durchlaufen, es endet erst mit Dieter im Hcksler und Mechthild im Knast.
Aber man sollte das Erzhlen Suzan Smadi berlassen, die angeleitet von der Regisseurin Brigitte Berlin, diese Mechthild sicher durch die Klippen von Text und Leben steuert. Was in Oliver Bukowskis Monolog Nichts Schneres zwischen den aufgeworfenen Problemen und ihrer sprachlichen verarbeitung noch offen bleibt, Smadis Erscheinung fllt es aus, sie gewinnt der Allerweltsstristesse einer sozialen Rolle eine Figur ab von Fleisch, Blut und unverwstlicher Gesprchigkeit. Gerne hrt man dieser erfahrenen Frau zu, die ihr drftiges Leben mit einer eigenen Form der Grazie ertrgt, nicht zuletzt, weil sie das Wort Grazie wohl fr Schnickschnack irgendeines verliebten Studenten mit Nickelbrille halten wrde.
Stuttgarter Zeitung (02.12.2025)

Deftige Plaudereien im Kaffeehaus
Der bekannte Theaterautor Oliver Bukowski mutet dem Publikum mit seinem Stck manches zu, was es von der klassischen Theaterwelt nicht gewohnt ist. Suzan Smadi hat die zum Kaffeehaus verwandelte Bhne zeitunglesend schon in Besitz genommen, bevor das Publikum auf seinen Sthlen Platz nehmen darf. Ein Theatervorhang war berflssig, denn die Vorstellung begann wie jede Unterhaltung im Kaffeehaus mit der Frage: Guten Abend, kenn wir uns?
Die von Suzan Smadi hervorragend dargestellte Frau fhrte das Publikum unter dem Motto So bin ick nu mal in ihre Welt ein. Mechthild plaudert aus dem Nhkstchen ihrer neuesten Liebesabenteuer mit einem jungen Studenten, das mit einem nach Zimt duftenden Gedicht anders verluft als erwartet. Beim Lesen des Gedichts wird ihr richtig damenhaft zumute, so damenhaft, wie sie sich in ihrer Ehe mit Dieter nie fhlte. Der htte sie eben nicht hauen drfen. Htte er das nicht getan, wrde er jetzt vielleicht noch leben. So aber landete Dieter im Hcksler, Mechthild wegen Totschlag im Knast und beim Therapastor.
Knast und Therapie sind Vergangenheit. Bei Kffchen und Sachertorte sinniert Mechthild ber ihr Leben und trstet sich mit Pralinen ber dessen Widrigkeiten hinweg. Schaurig-plaudernd und kabaretthaft-witzig wird das Publikum mit den hrtesten Lebensrealitten konfrontiert und ebenso ungewohnt am Schluss des Stcks in die eigene Wirklichkeit entlassen. Suzan Smadi erntete viel Beifall fr ihre Plaudereien, auch wenn dem Publikum whrend des Stcks manchmal die Entscheidung zwischen Lachen und Entsetzen schwerfiel, angesichts der vielen in Humor verpackten Schrecklichkeiten eines ach so normalen Frauenlebens.
Cannstatter Zeitung (03.12.2025)

So bin ick nu mal!
(Werkstattgesprch)
Sie verstehen einander prchtig: Brigitte Berlin, in der Kaiserslauterer Region bekannt als Regisseurin unter anderem am Pfalztheater, Suzan Smadi, in der Stuttgarter Region bekannt als freischaffende Schauspielerin, und Mechthild. Mechthild ist zur Zeit die wichtigste Person dieses Frauentrios. Seit gut vier Monaten arbeiten Berlin und Smadi daran, sie bekannt zu machen.
Am heutigen Donnerstagabend ist im Lokal Kolorit Kennenlern-Premiere. Hautnah und Mechthild pur.
Dann nmlich schlpft Suzan Smadi in diese Rolle des Einpersonenstcks Nichts Schneres aus der Feder des in Berlin lebenden Autors Oliver Bukowski. Eine wunderbare Figur, schwrmen Regisseurin und Schauspielerin, anziehend, sympathisch und bewundernswert. Und das fngt schon bei Mechthilds Gemtlichkeit an. Immer wenn sie wieder eine Lebensbewltigungsstrategie (Smadi) braucht, geht sie ins Cafe, bestellt Sachertorte und ein Kffchen und hofft auf Zuhrer. Denn Mechthild redet und erzhlt ber alles. So schlicht und einfach ihr Wesen gestrickt ist, so direkt und vorbehaltlos bringt sie ihre Sichtweise auf den Punkt. Gem ihrem Motto: So bin ick nu mal: Eine echte Kodderschnauze (Berlin). Genau darin liegt fr die beiden Theaterfrauen der Reiz, das Liebenswerte, das unbezwingbar Faszinierende.
Und weil beide diese Mechthild so sehr mgen und verstehen, wollten sie partout nicht, dass sie leidet. Das jedoch bedeutete, den Rotstift an Bukowskis Text anzusetzen, teils nicht nachvollziehbares, tragisches Verhalten zu streichen und so der eigentlichen anrhrenden (Berlin) Tragik, die in der Figur an sich, in ihrer Offenheit, Ehrlichkeit, auch Brutalitt steckt, klare Konturen zu geben.
Gerade hat Mechthild ber eine Annonce sie ist dauernd auf Mnnersuche einen wesentlich jngeren Studenten kennen gelernt. Ein Erlebnis, das ihrem bisherigen Mann-Muster vllig widerspricht. Also sitzt sie mal wieder im Cafe und erzhlt den Anwesenden ihre neueste Erfahrung. Wie immer direkt und auf den Punkt genau. Und dabei kommt sie vom Hundertsten ins Tausendste, gerade so wie es ihr in den Sinn kommt, mit Gedankensprngen grotesker Art, der Logik ureigenster Rckschlsse und Verhaltensmustern, jedoch berzeugend authentisch.
Brigitte Berlin und Suzan Smadi begeistert gerade dieses letztere Attribut. Sie erleb(t)en das gemeinsame Arbeiten spannend, auch weil es kein groartiges Dechiffrieren psychologischer Hintergrundansichten gab: Mechthild benennt alles selbst. In einer Sprache, die ebenso aggressiv wie poetisch, so schlicht wie ordinr daherkommt, gelungen analog zur Kaputtheit der Figur, ihren biografischen Brchen und emotionalen Sprngen (Smadi).
(Die Rheinpalz, 5.Juni 2003)

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Technik:
Spiel: Suzan Smadi
Regie: Brigitte Berlin

Dauer: 60 Minuten; Pause kann eingeschoben werden
(Kann ohne Podest und ohne Verdunkelung gespielt werden.)
Spielflche: 3m x 2m
Scheinwerfer knnen mitgebracht werden